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Mittwoch
3. Oktober 2012

FRANCIS BURT VERSTORBEN

Der Komponist Francis Burt ist im 87. Lebensjahr in Hartberg verstorben

Am 3. Oktober 2012 ist der Komponist Francis Burt im 87. Lebensjahr in seinem jahrzehntelangen Freizeit- und Arbeitsrefugium im steirischen Hartberg verstorben.
"Vorübergehend ständig" wollte der am 28. April 1926 in London geborene Francis Burt ursprünglich hier bleiben, als er 1956 dreißigjährig nach Wien kam. Viele Jahre später – da bereits Ehemann, Hochschulprofessor und österreichischer Staatsbürger – strich er dann doch das "vorübergehend", um sich auf das "ständig" einzulassen, bei dem es schließlich mehr als ein halbes Jahrhundert lang bleiben sollte. Er ließ sich nicht gern als englischer Komponist bezeichnen, lag doch sein gesamter Schaffensschwerpunkt in Österreich, vielmehr war er korrekt als aus Großbritannien gebürtig zu bezeichnen. Manches von einem Engländer blieb ihm in sympathischer Weise erhalten: ein nobles, nicht aufdringliches Auftreten und die Art und Weise, wie er sich im Stillen, aber mit Nachdruck für sich und noch viel mehr für andere einsetzte. So mancher Kollege, Schüler und Freund ist ihm diesbezüglich zu Dank verpflichtet, und so mancher hat es vermutlich nie erfahren, wessen Fürsprache er ein (gerechtfertigtes) positives Ereignis verdankte. Wie wunderbar war sein hintergründiger Humor und wie herrlich der kaum nachahmbare Akzent, very British und bis zuletzt keine Spur verwässert. Ob er eigentlich auch Wienerisch konnte, blieb mir bis zuletzt verborgen.

Durch den Militärdienst zunächst in seiner Ausbildung unterbrochen, lernte er in Afrika die Musik einheimischer Stämme kennen, die ihm zeitlebens unvergessen blieb und sein eigenes Verständnis des Rhythmischen und Tänzerischen prägte. In London studierte Burt an der Royal Academy of Music bei Howard Ferguson (1948-51) und anschließend in Berlin bei Boris Blacher, dessen gestischer Ansatz ihm mehr entgegenkam. Nicht zuletzt die bei Blacher geprägte Freundschaft mit Gottfried von Einem führte ihn schließlich nach Wien. Mit der Berufung als Professor für Komposition an die Wiener Musikhochschule (1973-92) erhielt Burt die österreichische Staatsbürgerschaft. Mit zahlreichen Auszeichnungen würdigten Stadt und Republik in der Folge seine Bedeutung für unser heimisches Kulturleben.

Die umfassendste Darstellung seiner Arbeit erfuhr Burt als einer der Hauptkomponisten bei Wien Modern 1995. Augenfällig am Komponisten Burt ist der relativ geringe Umfang seines Werkkatalogs, der kaum mehr als zwei Duzend Stücke enthält. Auch wenn man sie nie auf einer Bühne gesehen hat, weiß man anhand der Partituren, dass die Opern "Volpone und Barnstable" oder "Jemand auf dem Dachboden" zu entdecken wären. Rund drei Jahrzehnte ist es her, seit das Ballett "Der Golem" gar an der Wiener Staatsoper zu erleben war. Orchesterwerke wie "Jamben", "Espressione Orchestrale", "Fantasmagoria" und "Morgana" tauchen sträflich selten in Konzertspielplänen und Radioprogrammen auf – ihre klingenden Titel freilich merkt man sich ebenso wie jene der beiden vokalsymphonischen Werke "Unter der blanken Hacke des Monds" sowie "Und GOtt [sic!] der Herr sprach". Um einiges besser sieht es mit Aufführungszahlen der Ensemblestücke und Kammermusik aus: die immer wieder angesetzten "Echoes" und die herrlich fein ziselierte Fantasie "Hommage á Jean-Henri Fabre". Ein Muss bei der Annäherung an Burts Schaffen sind auch die immer wieder vor allem vom Koehne Quartet gespielten beiden Streichquartette. Am 23. November des Vorjahres spielte das Klangforum Wien unter Emilio Pomàrico eine der ganz seltenen Burt-Uraufführungen: "Mohn und Gedächtnis" (2010/11), am 28. März dieses Jahres das Ensemble Collage im Wiener Arnold Schönberg Center mit "Variationen eines alten Liedes" eine weitere.

Was man dem Jubilar zu seinem 85er neben der unerlässlichen Gesundheit vor allem wünschte, ging leider nicht mehr in Erfüllung – dass es ihm und uns Freunden seiner Musik bald beschieden sein würde, noch eine andere, ganz bestimmte Premiere zu erleben: Die nach rund zwanzigjähriger Vorbereitung und weiterer zwanzigjähriger konkreter Kompositionsarbeit vor wenigen Jahren vollendete Oper "Mahan", ein spätes Meisterwerk eines – man wiederholt sich – Großen unserer Musik. Die postume Uraufführung ist ihm die Nachwelt schuldig!

Christian Heindl


 

VERANSTALTUNGEN OKTOBER 2012

3. Oktober 2012 / 19.30 Uhr

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3. Oktober 2012

FRANCIS BURT VERSTORBEN

6. Oktober 2012 - 16:30 Uhr

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17. Oktober 2012 - 12.00 Uhr

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