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Montag
4. November 2013

NACHRUF WILHELM ZIMMERHACKL

Am 6. Oktober 2013 ist der Maler, Videokünstler, Komponist und Dichter Wilhelm Zimmerhackl verstorben.

Wilhelm Zimmerhackl wurde am 17. Juni 1942 in Melk geboren. Von Geburt an litt er an einer sei­ne Mobilität stark einschränkenden Behinderung, welcher er durch Aufbietung großer Willenskraft die Stirn bot. Er studierte Malerei und Grafik bei Fritz Riedel, Ernst Fuchs und Fritz Wotruba. Ferner nahm er privaten Kompositionsunterricht bei Heinrich Gattermeyer.

In den Jahren 1963 und 1964 hatte er in Melk seine erste Gemäldeaus­stellung. In dieser Zeit entstanden auch erste Kompositionen. Im April 1972 fand in Melk die erste Matinee mit Uraufführungen eigener Kompositionen und Aus­stellung von Ölgemälden statt. Nach Vertiefung seines Kompositionsstudiums bei Prof. Heinrich Gattermeyer erfolgte im Wiener Palais Palffy eine zweite Matinee mit fünf Uraufführungen und Ausstellung von Ölgemälden. 1973 entstanden die Ensemblekomposition Die Träumende op. 2, Rotation op. 3, das Kleine Trio op. 4 sowie die Klaviersonate Alestra op. 5, die im österreichischen und bayrischen Rundfunk gesendet wurde. 1974 komponierte er unter der Supervision Gattermeyers Alestra op. 6 (Version für Kammerorchester), das Trio Sehnsucht op. 7 und das Sextett Die Auserwählten op. 8. Die Uraufführung von op. 8 erfolgte am 19. März 1974 im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. Die Darbietung wurde vom Österreichischen Rundfunk aufgezeichnet und am 6. September des darauffolgenden Jahres ausgestrahlt. Weiters wurden im Jahr 1974 Gemälde von Wilhelm Zimmerhackl bei Gemeinschaftsausstellungen in Paris (August) in Beaune Cotes D´Or (November) gezeigt.

Wilhelm Zimmerhackl auch war ein Pionier auf dem Gebiet der Videokunst: Im April 1976 entstand in Zusammenarbeit mit der Videofilm Ges.m.b.H. (1010 Wien, Graben) die Produktion der ersten europäischen Farbvideokunstkassette »Rotation - Acht Visionen«. In diesem dreißigminütigen Video wurden Gemälde und Musik Zimmerhackls elektronisch zu einer künstlerischen Einheit ver­arbeitet. Die Premiere des Kunstvideos fand im Herbst 1976 in Mailand statt. Weitere Präsentatio­nen erfolgten unter anderem bei der »Interkunst 77« im Wiener Palais Liechtenstein (Februar 1977), anlässlich der Filmfestspiele in Cannes (Mai 1977), im Traklhaus in Salzburg (August 1977), im In­ternationalen Pressezentrum (Dezember 1977) sowie im Rahmen der ORF-Sendung Kontrapunkt“ (29.12. 1977). Im Jänner 1977 wurde Zimmerhackl für »Rotation - 8 Visionen« mit dem Filmpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Im selben Monat wurde sein Trio Sehnsucht op. 7 vom Österreichischen Rundfunk ausgestrahlt. 1977 war auch das Jahr, in dem Wilhelm Zimmerhackl Elfi Taufner, seine künftige Lebensgefährtin und die Mutter dreier seiner Kinder kennenlernte.

In den darauffolgenden Jahren widmete sich Zimmerhackl vorrangig der Malerei; es fanden eine Reihe von Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen statt, so etwa in der AUVA Wien (Mai 1978), in der Galerie Alte Schmiede (1979), im Palais Pallavicini (1979), in der Wiener Hofburg (1981), im Wiener Künstlerhaus (1981) und im Casino Linz (1984). 1984 wurden Zimmerhackls Original-Farbradierungen von der Münchner Galerie Ruf veröffentlicht und ferner im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ausgestellt. Am 18. November 1980 kam die Tochter Alestra Nirmara Alexandra auf die Welt.

Die nächsten Jahre waren dann wieder dem Komponieren gewidmet; es entstanden Der Traum der Träume (o.O., 1985), das Vokalwerk Die Träumende op. 9 (1987), die Klavierkomposition Sinfonia I op. 10 (1987), die Ouvertüre zur Ballettoper Freiheit op. 12 (1987), das Sextett Morgen op. 14 (1987), das das Klavierstück Ein Stück Wahrheit op. 15 (1987), das Klarinettenkonzert Euroasia op. 11 (1988), Der Frieden op. 17 (1988) sowie Entwürfe zu weiteren Kompositionen, unter anderem für die Ballettoper Adio - In Tausend Jahren. Am 27. Mai 1984 wurde der erste Sohn Nimo Amadeus geboren. Im September/Oktober 1989 wurden Ölgemälde und Aquarelle von Zimmerhackl im Rahmen der internationalen Weltausstellung »Planete Couleur« auf dem Pariser Eifelturm, und im Juni/Juli 1991 bei »Planete Couleur« in Berlin gezeigt. 1992 konnte er die 1987 begonnene Orchesterkomposition Klangbilder op. 16 fertigstellen. Weiters wurden 1992 Gemälde Zimmerhackls bei der Eröffnung des Kunstzentrums Melk ausgestellt. Am 14. Juni 1995 wurde der zweite Sohn Alexander Franziskus geboren. Von März bis Oktober 1996 wurden Ölgemälde im Rahmen einer Ausstellung auf der Schallaburg gezeigt. 1997 wurde in der Römerhalle Mautern der Kunstdruckkalender 1988 mit Aquarellen von Wilhelm Zimmerhackl präsentiert. 1998 wurden im Rahmen der Ausstellung »melk-art« Ölgemälde des Künstlers gezeigt.

Am 11. November 2001 wurde Die Träumende op. 2 im Rahmen eines Konzerts der ÖGZM im Wiener Museumsquartier durch Mitglieder des Tonkünstlerensembles (Leitung: Werner Hackl) zur Aufführung gebracht. Am 12. Oktober 2003 veranstaltete die ÖGZM zur Feier des 60. Geburtstags von Wilhelm Zimmerhackl einen Tag der offenen Tür im Haus des Künstlers: Zu hören waren Alestra op. 5 (Maki Saeki - Klavier), Sinfonia I op. 10 und Ein Stück Wahrheit op. 15 (Kaori Nishii - Klavier). Am 19. Mai 2004 wurde Alestra - wiederum von Maki Saeki - im Rahmen eines ÖGZM-Konzerts im Haydn-Saal der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien dargeboten.

In den folgenden beiden Jahren komponierte Zimmerhackl Ein neuer Anfang op. 18 (2006) und die Serenade für Oboe und Englischhorn op. 19 (2007). Am 28. Februar 2007 veranstaltete die ÖGZM in Kooperation mit der Alten Schmiede ein Portrait­konzert; auf dem Programm standen das Kleine Trio op. 4, Ein Stück Wahrheit op. 15, Sehnsucht op. 7, Alestra op. 5 und Die Träumende op. 2. Die Ausführenden waren Karin Kautzky (Flöte), Alfred Hertel (Oboe), Hibiki Oshima & Agnes Führlinger (Violine), Josef Luitz (Violoncello), Ayako Yamamoto & Maki Saeki (Klavier) und Werner Hackl (musikalische Leitung). Zudem wurden Ausschnitte aus dem Video »Rotation - 8 Visionen« gezeigt.

Im Jahr 2008 entstanden die Orchesterwerke Rotation - 3. Satz op. 20, der 1. Satz von Das schöne kurze Leben op. 22 und der 1. Satz des Violinkonzerts op. 25; ferner die Vokalkomposition XLKA - heilige Kirche op. 21, und 2009 schließlich seine letzten Kompositionen, Das Licht op. 23 für Orgel und das Orchesterstück Erdklänge op. 24. Im Juli 2011 erschien im Novum-Verlag Wilhelm Zimmerhackls philosophisches Buch »Die wahre Demokratie. Die Macht des Geldes - Das Paradies der Gegenwart und Zukunft«.

In seinen letzten Lebensjahren war ihm schöpferische Tätigkeit aufgrund seines sich seit 2010 drastisch verschlechternden Gesundheitszustands nicht mehr möglich. Wilhelm Zimmerhackl starb am 6. Oktober im Landeskrankenhaus St. Pölten. Seine Asche wurde in seinem Heimatort Melk der Donau übergeben.

VERANSTALTUNGEN NOVEMBER 2013

2. November 2013 - 16:30 Uhr

ALTE SCHMIEDE II

4. November 2013

NACHRUF WILHELM ZIMMERHACKL

10. November 2013 - 19.30 Uhr

DIE REIHE / MUTHSPIEL

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